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Eichstätts Potenzial für internationale Kooperationen

Die Idee nach einem ver-rückten Denkprozess

Eichstätt, was für eine wundervolle Stadt! Eine der schönsten Barockstädte und zugleich voller moderner Architektur, die durch ihre synergetische Gestaltung mit dem Ehrwürdigen eine erstaunliche Gesamtharmonie erzeugt. So viele imposante Kirchen, Klöster, Gebäude und Plätze auf so wenig Raum. Alles eingebettet in eine malerische Landschaft. Eichstätt strahlt auf wundersame Weise eine ganz besondere Atmosphäre aus, die man überall spürt, die alles durchdringt. Ja, es ist ein Ort voller Wunder und Magie. Eichstätt war ein Zentrum für Kontemplation und es ist, als ob die lange Geschichte der mentalen Konzentration und des spirituellen Tiefgangs so etwas wie eine „heilige“ Energie erzeugt hätte, die noch immer strahlt und überall zu spüren ist. Ein Ort, der sich leicht und luftig und warm anfühlt, den man atmen kann, der auf den eigenen Geist und Körper erfrischend wirkt, beruhigend und kraftvoll. Sicher ist es kein Zufall, dass hier magische Tiere entstanden sind.

Wir sind Neu-Eichstätter. Wir sind gekommen, um unsere wissenschaftliche Expertise an der Katholischen Universität einzubringen. Wir lehren und forschen zur Ethik, die als Wissenschaft eine enge Schnittstelle zur religiösen Tradition hat und sich gestaltend in die Entwicklung  zukunftsfähiger gesellschaftlicher Praxen einbringt. Für uns ist hier der perfekte Ort. Wir gehen täglich staunend durch die Gassen, sprechen mit den tollen Menschen hier, voller Glück uns hier einbringen zu können. Dabei haben wir eine andere Perspektive. Wir haben den Blick ungetrübt und von außen. Wir sehen vieles nicht, das hier als Problem gilt. Dafür sehen wir etwas, das für viele Ur-Eichstätter nicht mehr sichtbar ist. Denn es ist „normal“ für sie, sodass es verschwindet. Sie sehen den Unterschied nicht mehr, sodass sie es nicht mehr wahrnehmen. Es ist dann einfach „weg“. Gerade die besondere Schönheit, Energie und Atmosphäre scheint für viele unsichtbar zu sein. Deshalb würden wir anderen gerne unsere „Brille“ anbieten, mit der sich davon wieder etwas sehen lässt, etwas sehr Wertvolles an dieser Stadt. Damit wäre es möglich, dieses enorme Potenzial Eichstätts zu bergen und in Existenz zu bringen. Wie viele Menschen könnten ähnlich begeistert von Eichstätt werden wie wir und daraus etwas entstehen lassen? Echte Fans, die zu Botschaftern werden. 

Dabei geht es uns nicht nur um die Entwicklung eines gehobenen, nachhaltigen Tourismus, sondern um Kooperationsformen aller Art, insbesondere auch im Wissenschaftsbereich, der Kultur, des Religiösen und der Industrie. Was wäre alles möglich!? Durch eine veränderte „Brille“, eine Sichtweise die Eichstätts Stärken wahrnimmt. Dies alles vor dem Hintergrund, dass es so aussieht, als gäbe es in bereits naher Zukunft ganz erhebliche wirtschaftliche und gesellschaftliche Veränderungen, die den Standort Eichstätt massiv in Mitleidenschaft ziehen könnten. Deshalb laden wir dazu ein, den Pioniergeist aus der Flasche zu lassen, das Laptop rauszuholen und die Lederhose anzuziehen. Los geht’s! Oder: „Pack ma’s!“

Atmosphäre? In Eichstätt?

Atmosphäre, ist das nicht ein seltsamer Begriff? Es geht hier nicht um die Hülle der Erde oder um Luftdruck. Es geht um den Atmosphäre-Begriff aus der Ästhetik, geprägt von Hermann Schmitz und Gernot Böhme, zwei herausragenden Philosophen, deren Werk für die Betrachtung Eichstätts große Bedeutung hat. Denn es geht dabei nicht nur um Eichstätts besondere Architektur, Gebäude und Plätze. Es geht um die Wirkung, die damit auf die Menschen erzeugt wird und wie sehr das Leben vor Ort davon geprägt ist. Es geht um Stimmungen und Gefühle, die durch die Architektur erzeugt werden. Das hat nichts mit Hokuspokus zu tun, sondern mit objektiven Wirkungen, die leiblich und körperlich wirken, die unser Denken, Fühlen und unsere sozialen Interaktionen maßgeblich prägen. Dass Eichstätt hier eine besondere Expertise hat, ist nicht erstaunlich. Für Kirchen und Klöster war das immer von zentraler Bedeutung und die Stadt ist Ausdruck von deren jahrhundertelangen Erfahrungen – auch ganz konkret, denn die bedeutendsten Bauwerke sind unter ihrer Federführung entstanden.

Wir stehen im Eichstätter Dom und staunen. Wir schauen an die Decke und drehen uns. Wir setzen uns in eine der Bänke und lauschen der Stille. Wir sind einfach nur hier und lassen los. Es ist, als ob unser Geist durch die Lüfte schwebt. Wir spüren die Atmosphäre, die uns durchdringt. Einer Dame neben uns geht es genauso, sie ist ganz ergriffen und sagt: „Das ist noch schöner als unser Dom in Mailand!“ Das kommt aus dem Mund einer stolzen Mailänderin?! Der Dom wurde von Grund auf saniert. Fünf Jahre harte und sanfte Arbeit sind hier hineingeflossen. Aber die Magie liegt in der Substanz, eine Substanz, die in der ganzen Stadt zu finden ist, eine Substanz, die diese besondere Energie ausstrahlt. 

Wir denken eher an Florenz als an Mailand. Florenz mit dieser unglaublichen Dichte an Kulturschätzen. Das liegt an dem italienischen Flair, das durch die Bauwerke, Straßen und Plätze entsteht. Unter anderem die Baumeister Gabriel de Gabrieli und Maurizio Pedetti haben hier deutliche Spuren hinterlassen und die Stadt damit nachhaltig geprägt. Es gibt schmale Gässchen wie in Verona, mit kleinen Häuschen, von denen einige auch etwas krumm und schief und so schön unperfekt sind. Manche wirken ein wenig als würden sie nur noch notdürftig zusammengeflickt sein, mit dem typischen italienischen Improvisationstalent, das diesen besonderen Charme versprüht. Das steht in seltsamem Widerspruch zum wohlhabend scheinenden und mit viel Liebe zum Detail gepflegten Rest. Die Mischung macht’s! 

Auffällig ist auch die Parallele im Auftreten. Die Menschen sind stets höflich und gut gekleidet, unauffällig, aber chic, zeitlos und elegant. Zudem sind die Eichstätter am liebsten draußen, am Wasser, sobald es Sonnenstrahlen gibt. Während viele Kommunen ihre Freibäder schließen oder verwahrlosen lassen, gibt es in Eichstätt ein richtig tolles Inselbad, das im Sommer zum zentralen Treffpunkt wird. Ein Abo zu fairen Preisen ist eine Selbstverständlichkeit, damit man jeden Tag dorthin kann, um im Blubberbad in die wunder­schöne Landschaft zu schauen. Ansonsten sitzt man am Ufer der Altmühl und schlürft mit Freunden einen Aperol Spritz oder ein Gutmann, das beste Weizen weit und breit. 

Auch die Musik spielt wie bei den Italienern eine zentrale Rolle. Es wird in Eichstätt viel gesungen und musiziert, in Chören, Ensembles und auf den unzähligen herausragenden Musikveranstaltungen. Das liegt vielleicht am traditionsreichen Musik-Gymnasium, das so viele hier besucht haben oder es liegt den Eichstättern einfach im Blut und gedeiht in solch zauberhafter Atmosphäre. Das alles merkt man auch im Alltag. Es geht hier herzlich zu. Die Menschen haben offene Ohren und warme Augen, mit denen sie in die ihres Gegenübers schauen und helfen wo immer sie können. Dazu kommt eine Buntheit durch die Katholische Universität, die das Stadtbild enorm bereichert und um noch vieles freundlicher macht. Hier zu wohnen ist wie ein Dauerurlaub, ein Leben in einer grünen Oase, einem kleinen barocken und zugleich modernen Paradies. Nicht umsonst gilt Eichstätt als eine der Städte mit der höchsten Lebensqualität für Familien. 

Um nur eine kleine Auswahl der fantastischen Orte Eichstätts zu nennen: Der Dom. Der Domplatz (z. B. mit der „langen Tafel“!). Der Domherrenhof. Notre Dame du Sacré Coeur mit diesen tollen Ausstellungen und Konzerten. Das Kloster St. Walburg mit Krypta und Kirche. Die Realschule in Rebdorf im ehem. Kloster mit ihrem Barocksaal, der Mensa und den wunderschönen Innenhöfen. Die Fürstbischöfliche Residenz mit dem unglaublichen Spiegelsaal, ihrem Treppenhaus, dem Innenhof und dem Residenzplatz. Die ehemalige Realschule Maria Ward für Mädchen und die Kavalierhöfe. Das Priesterseminar mit Rosengarten und Kreuzgang. Die Frauenbergkapelle. Die Willibaldsburg. Die ehem. Reithalle. Das ehem. Waisenhaus. Der Holzer Saal in der Sommerresidenz. Der Hofgarten mit seinem Muschelpavillon. Die Altmühl und das Freiwasser. Die absolut geniale neue Altmühlaue mit der Haifischbar, mit Steg, Strand & Spielplatz, die dem Kern Eichstätts eine ganz neue Lebendigkeit verleiht, einem der Lieblingstreffpunkte der Einheimischen. Die tollen, neuen Spielplätze. Das Kneipp-Becken.  Das Inselbad. Die Aula und der Kreuzgang des Gabrieli Gymnasiums. Die Fahrradwege an der Altmühl in beide Richtungen. Der Schäferwagen mit diesem absolut traumhaften Ort (mit Bratwurst und gutem Wein). Der Park in Pfünz mit Schafen und Ziegen. Das Walderlebniszentrum in Schernfeld. Der neue Weg, hoch hinauf zur Auer-Bank und zur Haselnussplantage. Und alles inmitten des malerischen Altmühltals.

Der Anfang ist gemacht: Einen internationale Tagung zur Emotionsforschung in Eichstätt

Wir haben eine Idee: Wir laden interessante Leute nach Eichstätt ein, hundert tolle Menschen! Wir veranstalten eine bedeutende europäische Konferenz, die wir vorher in Athen, Lissabon und Paris organisiert haben. Diese machen wir jetzt in Eichstätt. Der Eichstätter Kurier hat darüber prominent berichtet. Dabei sind das alles Wissen­schaftler, die zu Gefühlen und Stimmungen forschen. Das passt! Da können sie gleich über besondere Atmosphären in besonderer Atmosphäre forschen. Die Praxis ist wichtig!

Die Wissenschaftler sollen Eichstätt wirklich kennenlernen. Sie sollen begeistert sein. Sie sollen zu Fans werden und als Botschafter zurückfahren und erzählen: „Es ist wunderschön dort! Was für eine Atmosphäre! Was für nette Menschen! Was für eine Kultur!“ Letztlich ist aller Erfolg eine Frage von Mundpropaganda. Dabei sollen sie nicht nur als anspruchsvolle Touristen kommen. Es geht uns um mögliche Kooperationen auch im wissenschaftlichen, kulturellen und industriellen Bereich. Auch dort fängt es so an. Auch dort ist es wichtig, ein gutes Bild zu erzeugen. 

Gabriele Gien, der Präsidentin der KU, und Josef Grienberger, unserem Oberbürgermeister, ist diese Initiative wichtig. Sie sehen das Potenzial und unterstützen uns bei dieser ersten Imitative mit aller Kraft.

Echte Begegnung bei Brot und Wein

Bei so einer Konferenz gibt es spannende Fachvorträge. Oft wird heiß diskutiert. Denn am Ende wollen alle ein wenig klüger werden. Das alles findet dank der Unterstützung der Präsidentin im Holzersaal der Sommerresidenz statt. Tolle Atmosphäre! Doch der wichtigste Teil einer Konferenz ist der inoffizielle Teil nach den Vorträgen. Der wichtigste Teil, der den Eindruck prägt, ist das gemeinsame Essen am Abend, das Conference Dinner. Dort, wenn zusammen das Brot gebrochen wird, Wein und Bier geteilt werden und bayerische Köstlichkeiten aus der Region kredenzt werden, dann entsteht das, was eine Reise wirklich ausmacht, was das Eintauchen in die Kultur erlaubt und für lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird. Gut essen und miteinander reden, das kann man hier, das ist es was die Eichstätter Kultur und Menschen ausmacht. Das ist es also, was besonders gut werden muss; was in besonderer Weise die hiesige Kultur erlebbar machen muss. Beim Conference Dinner muss die Eichstätter Atmosphäre alles durchdringen, wenn der Genuss der Speisen, Getränke und Gespräche die Sinne öffnet. Dann wird es unvergesslich. 

Convenience für Touristen

Also suchen wir einen Ort für das Conference Dinner, der genau diese besondere Eichstätter Atmosphäre vermittelt. Wir schauen uns um und sehen so viele solcher Orte. Also fangen wir an zu fragen. Wir stoßen allerdings auf wenig Resonanz. Die meisten der Empfehlungen die wir bekommen sind genau das Gegenteil dessen was wir mit der „Substanz“ und Atmosphäre Eichstätts verbinden. Es ist in Ordnung, wenn man Busse voller Kaffeefahrt-Touristen mit Convenience versorgt, um sie mit Knödel & Co. „abzufrühstücken“. Sie sind ohnehin nicht an einem echten Eindringen in die hiesige Kultur interessiert. Aber wir wollen ja genau dieses kulturelle Eintauchen ermöglichen. Also fragen wir direkt bei den vielen wunderschönen Orten nach und stoßen auf sehr viele Gründe, warum das alles überhaupt nicht möglich ist. Darunter sind gute Gründe zu finden, denn der Eichstätter „Schatz“ muss auch geschützt werden, um ihn zu bewahren. Allerdings entsteht ab einer gewissen Wegmarke auf der Strecke von Pontius zu Pilatus der Eindruck bei uns, als seien wir in eine kafkaeske Satire geraten, in der man besser aufgibt, um seiner kostbaren Gesundheit den notwendigen Schutz zu verleihen. Aber vielleicht gibt es doch eine Lösung für solche Probleme, wenn wir unser bisheriges Denken einfach mal wild durchwirbeln und auf den Kopf stellen? 

Von den Füßen auf den Kopf oder: Wer macht mit?

Wir wirbeln alles durcheinander und denken alles nochmal neu. Was wir gesucht haben, war ein Ort mit einer besonderen Atmosphäre, der körperlich erlebbar macht was Eichstätt ausmacht. Die Restaurant-Idee hatten wir schon aufgegeben und uns auf Räume konzentriert, für die wir einen Caterer engagieren. Auch das scheinen wir nicht hinzubekommen. 

„Die Idee“, wir machen ein „Menü in fünf ‚Gängen‘ – Gutes Schuhwerk vonnöten!“ Wenn ein Ort nicht funktioniert, dann nehmen wir fünf oder sechs oder so. Wir lösen uns von unserer fixen Idee eines Büfetts in einem schönen Raum und fragen also nicht mehr, ob das erlaubt ist, sondern fragen: Was ist in Notre Dame erlaubt? Vielleicht ein Glas unter der Kuppel und ein Brezenkonfekt in dem zauberhaften Garten? Was dürfen wir in St. Walburg? Vielleicht in die Krypta und dann gibt’s einen Kräuterlikör der Benediktinerinnen? Was könnten wir auf dem Domplatz machen? Vielleicht mit dem Schäferwagen ein paar fränkische Bratwürste grillen, mit einem der besten Weizen weit und breit, einem von Gutmann? Wir wäre es mit eine Räucherforelle aus der Region am Kapellbuck? Zum Abschluss einen Espresso im Occa oder dem Altstadtcafé mit einem Stück Tarte? Und abschließend zum gemütlichen Ausklang ins Neue Potenzial? Dabei erzählt uns Richard Auer eine wilde Geschichte über diese Orte, Eichstätt und die jeweiligen Speisen dazu? 

Wir fragen, was geht und wir fragen wer mit geht. Wir fangen einfach mal an. Und wir zeigen, was hier möglich ist, indem wir diejenigen mitnehmen, die dabei sein wollen. Das sind schon einige. Sie mögen unsere Idee und haben spontan zugesagt. „Tolle Idee, da machen wir mit!“ Auch einige der Niederländer und Rotarier sichern uns ihre Unterstützung zu und rufen weitere Freunde an, die begeistert sind und mitmachen wollen. Juhu, so geht was! Wir binden die lokalen Akteure ein. Sie zeigen unseren Gästen, was Eichstätt ausmacht, und wir geben ihnen eine Bühne, um zu zeigen was sie können. Wir machen eine schöne Veranstaltung mit dem Besten und den Besten aus der Region. Dazu machen wir im Anschluss eine wirkungsvolle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, in der die aktiven Akteure zentral platziert werden. Das wäre doch etwas, aus dem sich etwas machen ließe?

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